eine portable AO-40 Mode-S Empfangsstation

von DH2VA

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Während der mehrere Jahre dauernden Wartezeit auf P3-D habe ich einige Teile für mein eingenes Mode-S Empfangssystem gesammelt, nachdem ich von 1992 an auf AO-13 Mode-S mit dem 1.6m Spiegel von meinem Vater (Dieter, DL3NQ) gearbeitet habe. Das Konzept von P3-D sollte kleinere Antennen durch die höhere Strahlungsleistung des Satelliten ermöglichen, was verglichen mit den 1W Sendeleistung auf AO-13 recht einfach zu bewerkstelligen sein sollte. Nach dem Start von P3-D (nun AO-40) begann ich zunächst mit dem bestehenden 1.6m Spiegel die Bake zu empfangen und trotz den Erwartungen durch die höhere Strahlungsleistung war ich überrascht von den starken Signalen des Satelliten (der S1 Sender war sogar noch stärker, solange er funktionierte..). Schon bald war die Idee eines reinen Mode-S Empfangssystems geboren (der Spiegel war mit einem Multiband-Erreger für die Mikrowellen ausgestattet) und so begann ich den Aufbau eines Mode-S Empfangssystems an der Clubstation DL0WH in Weinheim.

Systembeschreibung:
  • WIMO helix mit 30 Windungen
  • UEK-3000SAT (SSB Electronics)
  • 50m billiges RG-58
  • IC-821H

Nahaufnahme der 13cm Helix mit UEK-3000

(TNX Wolf,DF1GW für das Foto!)

Wartungsarbeiten auf dem Mast durch DH2VA

(TNX Wolf,DF1GW für das Foto!)

Mit diesem Aufbau gewann ich etwas Erfahrung. Die Komponenten wurden aus Gründen der Empfindlichkeit, Strapazierfestigkeit und kommerzieller Erhältlichkeit ausgesucht. Erhältlichkeit wegen dem Mangel an Zeit für den Selbstbau (leider..) und Strapazierfestigkeit wegen des Standortes, da eine Clubstation durch die ungewöhnlich hohe Anzahl Benutzer eine sehr unfreundliche Umgebung für empfindliche Elektronik darstellt. Durch die zu erwartende Windlast schied ein Spiegel als Antenne aus, dadurch fiel die Wahl auf eine Helix. Trotz der guten Gesamtempfindlichkeit des Systems wurde jedoch schnell klar, dass ein Spiegel noch mehr Gewinn erbringen würde als diese Helix. Für das nachfolgende System entschied ich mich für folgende Kriterien:
  • portable (Umzug nach HB9 wegen QRL..)
  • kompakt (ich wohne in einem Studentenheim..)
  • empfindlich (...)
  • ..

So entschied ich mich für die folgenden Teile:

ZUSÄTZICHE INFORMATION: Der Spiegel ist auf der Homepage von UKW-Berichte nicht aufgeführt! Ihr müsst direkt bei ihnen anrufen.. sie haben ihn aber noch (01/17//2002).

Für die mechanische Befestigung des Spiegels habe ich ein Design von DJ2ANG und DH0SP benutzt, welches von DF7IT für meinen Spiegel angepasst wurde. Ein Aluminiumblech mit 330mm x 330mm wird so gebogen, dass es den Spiegel mit seinen 4 Ecken und einer zentralen Halterung fassen kann (Konstruktionszeichnung zum herunterladen). Der Konverter und der Empfänger werden dann auf einer Alu-Platte angebracht, welche senkrecht an dieser Halterung befestigt wird. Darüber hinaus hat diese Platte ein 1/4"-Gewinde, um das Ganze auf ein handelsübliches Kamerastativ zu schrauben. Die Stabilität des Statives ist dabei nicht so wichtig wie es vielleicht erscheinen mag, denn der Öffnungswinkel des Spiegels beträgt ca. 13 Grad.
 
 

60 cm Spiegel (Frontansicht) RX System auf Kamerastativ Grössenvergleich zum Operator
Detailansicht des Erregers + Vorverstärkers Konverter (von links) mechanische Spiegelhalterung, siehe auch Konstruktionszeichnung

Da der Gesamtstrom von Konverter und Vorverstärker nur gut 200 mA beträgt, habe ich mich für einen recht kleinen Bleiakku entschieden (schwarze Box auf dem FT-290R). Der FT-290R hat sein eigenes Batteriefach im Gehäuse. Am 12.1.2002 habe ich alles draussen für einen ersten Test aufgebaut. Am Ende wurde es mehr, da alles anders als erwartet sofort funktioniert hat. Eine grobe Ausrichtung in Richtung des Satelliten war genug um das Signal zu finden, eine Feineinstellung brachte noch ein paar dBs, aber nichts weltbewegendes mehr.
 
 

FT-290R mit Konverter und Akku Ansicht von oben Konverter (von rechts)

Die folgenden Stationen konnten mit guten Signalstärken aufgenommen werden (Entfernung 20000 km, Squintwinkel 22 Grad):

1138UT W5UAQ - OK2AQK
1143UT I7LIT calling CQ
1144UT LZ1JH - F6BKI
1147UT W5UAQ - ON4DY
1153UT OE6WMD - DJ1KM
1159UT G3WDG - DJ1KM
1200UT G3WDG - HB9DRD

Im nächsten Orbit (13.1.2002 0650UT) gelang es mir sogar VK6BMT aus Perth/Australien zu empfangen..

Zusammenfassung:

Es ist durchaus möglich eine empfindliche portable Mode-S Empfangsanlage mit moderaten Kosten aufzubauen. Obwohl Selbstbau manchmal sehr lehrreich ist und man vielleicht etwas über HF lernt, erschien mir die Gefahr ohne HF-Messgeräte und mit mittelmässigen Kenntnissen in die falsche Richtung zu basteln einfach zu hoch.

So entschied ich mich, einige kritische Teile zu kaufen: den Patch-Erreger und den Vorverstärker. Der Patch-Erreger von G3RUH und ON6UG hat eine ausgezeichnete Leistungsfähigkeit, sogar ohne einen Spiegel (ich habe mal einem Empfang der Bake aus 60000 km Entfernung beigewohnt mit einzig dem Erreger ohne Spiegel, eine RHCP Version). Zusammen mit einem empfindlichen Vorverstärker (meiner Meinung NF<1dB) und einem mindestens 60cm grossen Spiegel (gibts immer noch sehr billig, s.o.) ist das eine gute Grundlage für AO-40 Empfang. Der Konverter und der Empfänger sind nicht so kritisch, da die Gesamtempfindlichkeit durch die Rauschzahl der 1. Stufe bestimmt wird, solange die Verstärkung der folgenden Stufen hoch genug ist.

Ich hoffe dieser Artikel hilft dabei, die Vorurteile vieler OMs gegenüber Mode-S Betrieb zu überwinden. Gespräche mit befreundeten OMs zeigten ein generelles Interesse, nur gelangt die Information ("Wie genau macht man das jetzt?") manchmal nicht zu den betreffenden OMs. Je mehr Information wir verbreiten, desto mehr Aktivität bekommen wir auf AO-40..

Experimente mit dem K3TZ Patch

Letztes Wochenende habe ich den Patch Erreger von Tim, K3TZ ausprobiert (PDF-Zeichnung zum Herunterladen). Dieser ist sehr einfach aufzubauen, etwas weniger als 24 Stunden von der ersten Idee bis zum fertigen Patch. Die BNC Buchse war vorhanden, die kreisrunde Reflektorscheibe stammt von einem Reststück Alu, welches sich im Abfall unserer Werkstatt in der Universität befand.. Das Patch Element selber war 'etwas' schwieriger, da der Kupferabfall abgeholt wurde, bevor ich Gelegenheit hatte einen Blick hinein zu werfen. Glücklicherweise gibt es in unserem Studentenwohnheim eine Weissblech-Recyclingsammlung, in der jemand seine geleerte Kaffeedose entsorgt hatte. Weissblech ist gut zu löten und einfach auf Mass zu schneiden (Vorsicht: die Kanten sind sehr scharf, mein Daumen bezeugt dies..). Als Ergebnis präsentiere ich hiermit:

Der AO-40 Mode-S 'cappucino patch'

Ansicht von oben des 'cappucino patch'. Die Positionen der abgeschnittenen Ecken wurden für ein RHCP Patch verändert. Das Originaldesign von Tim, K3TZ, beschreibt ein LHCP Patch als Spiegelerreger.



Seitanansicht des 'cappucino patch'. Die 3mm Abstandshalter fehlen? Ich hatte keine Zeit mehr, der nächste AO-40 Durchgang nahte..

Wer sich um Korrosion sorgt sollte diese Plexiglashalbkugel ausprobieren. Die sind in den meisten Bastelläden erhältlich.



Nun einige Zahlen: am 16.2.2002 um 1310UT testete ich das Patch während eines sehr guten Durchgangs von AO-40. Die Entfernung betrug 30000km, der Squintwinkel wurde zu 0.7 Grad berechnet bei MA25. Da mein 20dB Abschwächer (siehe oben) einsatzbereit war, war ein einfacher Vergleich mit dem 60cm Spiegel und dem G3RUH Patch möglich. Die Kombination G3RUH Path + Spiegel ergab ein Signal von S9+ (bei einem Grundrauschen von S1), das K3TZ Patch empfing die MB mit S5.. ich betone: DAS PATCH ALLEINE! SSB Verbindungen waren gerade nicht lesbar, dennoch war der Unterschied zwischen einem deutschen italienischen oder englischen QSO deutlich erkennbar.

Wenn Du also einen rauscharmen Vorverstärker hast, baue doch auch dieses Patch nach und überzeuge Dich selbst, wie einfach AO-40 Mode-S Empfang ist!

AKTUELLES (Feb 27, 2002):

Da ich noch einen zweiten Alu-Reflektor und noch etwas Weissblech von der Kaffeedose übrig hatte, war innerhalb zwei Stunden ein zweiter 'cappucino patch' aufgebaut.
Dieser ist jetzt LHCP, mit einer passenden Halterung für meinen 60cm Spiegel und einer N-Buchse ausgerüstet. Die Polystyrol Halbkugel (in Bastelläden erhältlich) ist nun auch an den Reflektor geklebt.. sieht nicht schlecht aus, oder?

Ein kurzer Test am 1. März gegen 0700UT ergab nur geinge Unterschiede zum G3RUH Patch. Mit einer Rauschanzeige von S1 und einem MB Signal von S9+3 Nadelbreiten (klingt seltsam, aber besser kann ich es nicht beschreiben..) auf dem G3RUH Patch ergibt der K3TZ Patch immer noch S9+2 Nadelbreiten auf dem S-Meter. Nach Gehör würde ich sagen, dass der Unterschied in der Grössenordnung von 1dB liegt, da 3dB gut zu unterscheiden sind und ich kaum einen Signalstärkeverlust hören konnte. Auch das QSB war vernachlässigbar und vergleichbar mit dem G3RUH Patch während einer 2-minütigen Vergleichsperiode.

Weitere Verbesserungen sollten durch einen 12-25mm hohen Kragen am Alu-Reflektor möglich sein (dies wurde im AMSAT-BB bereits diskutiert). Diese Variation steht als nächstes auf meiner Liste.


Hier ein Link zu Volker, DF7IT der mir sehr oft bei meinen Projekten hilft: VWE Ingenieurbüro
.. und noch ein Link, der einen Besuch und eine Spende wert ist:P3E-Satellite Pixelevent
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